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4. September 2026

Antisemitismus in den Künsten: Das neue Grundlagenwerk für den Ernstfall im Kulturbetrieb

Von den Anfängen bis zur Kulturpraxis heute – mit Handreichungen für die Praxis | Buchpremiere am 9. Oktober 2026 an den Münchner Kammerspielen

Die Kasseler documenta-Debatten, der Umgang mit umstrittenen Meisterwerken oder aktuelle Boykottaufrufe im Pop- und Klassikbetrieb – wenn Kulturinstitutionen heute mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert werden, regieren meist akute Verunsicherung und Abwehr. Der Grund dafür ist ein Vakuum in der Praxis: Es gab bisher kein verlässliches Standardwerk, auf das sich Praktiker:innen im Kulturbetrieb bei diesen Fragen beziehen können.

Das neue, von Stella Leder für das Institut für Neue Soziale Plastik herausgegebene Grundlagenwerk „Antisemitismus in den Künsten: Eine Einführung“ schließt nun die Lücke zwischen theoretischer Analyse und konkreter Kulturpraxis. Während politische Debatten um Klauseln und Definitionen an der alltäglichen Arbeit in Theatern, Museen und Redaktionen oft vorbeigehen, bietet dieser Band erstmals eine systematische, historisch-kritische Kartierung des Antisemitismus in allen Kunstgattungen.

Das Buch dient als unaufgeregtes, wissenschaftlich fundiertes Arbeitswerkzeug, das historische Kontinuitäten vom christlichen Antijudaismus bis zum israelbezogenen Antisemitismus nüchtern analysiert.

Am 9. Oktober wird der im Hentrich & Hentrich Verlag erschienene Band im Rahmen einer Buchpremiere an den Münchner Kammerspielen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Buch begreift die Künste – Literatur, bildende Kunst, Theater und Musik – als einen überzeitlichen „Wissensspeicher“, in dem antisemitische Narrative und Bilder über Jahrhunderte hinweg konserviert und transportiert werden. Künstler:innen erfinden diese Motive in der Regel nicht neu, sondern greifen oft unbewusst auf dieses historisch tief verankerte Repertoire zurück und passen es an die jeweiligen zeitgenössischen Kontexte an.

Um diese Mechanismen nüchtern und sachlich zu dekonstruieren, benötigt die Praxis weder Alarmismus noch Bagatellisierung, sondern vor allem Verständnis und Wissen um solche Prozesse.

Vom christlichen Antijudaismus bis zur Gegenwart

Didaktisch und historisch präzise strukturiert, führt der Sammelband chronologisch durch die fünf Epochen und Erscheinungsformen des Ressentiments: christlichen Antijudaismus, modernen, sekundären und israelbezogenen Antisemitismus bis hin zu aktuellen Debatten und Kontexten im heutigen Kulturbetrieb. Jedem dieser Abschnitte ist ein theoretisch klärender Einführungstext vorangestellt, der die historischen Entstehungslinien skizziert.

In den anschließenden werkanalytischen Einzelbeiträgen sezieren profilierte Stimmen aus Wissenschaft, Kunst und politischer Bildung – darunter Stella Leder, Eva Marburg, Jakob Baier, Steffen Klävers, Juliette Brungs, Tom Uhlig und Doron Rabinovici – die antisemitischen Traditionsbestände in Werken, die wir alle zu kennen glauben:

  • Klassische Musik: Die antijüdische Polemik in Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion
  • Weltliteratur: Das Motiv des „ewigen Juden“ in E. T. A. Hoffmanns romantischem Schauerklassiker Der Sandmann.
  • Theater & Oper: Die jüdische Spottfigur Sixtus Beckmesser in Richard Wagners Meistersängern von Nürnberg
  • Popkultur: Der Widerschein des Nationalsozialismus in der Musik von Heino, Rammstein und Kollegah
  • Gegenwart: Israelbezogener Antisemitismus in der bildenden Kunst und der aktuellen Gegenwartsliteratur

Leitfäden für die Praxis

Das Werk schließt mit zwei praxiserprobten Leitfäden für die Kulturarbeit: einerseits zur Veranstaltungsorganisation und zum Umgang mit Veranstaltungsstörungen, andererseits für antisemitismussensible Öffentlichkeitsarbeit. Beide Handreichungen bieten Kulturinstitutionen, Redaktionen und Multiplikatoren die nötige Handlungssicherheit im Umgang mit akuten Krisen und Debatten.

Die Buchpremiere am 9. Oktober 2026 an den Münchner Kammerspielen bietet die Gelegenheit, mit der Herausgeberin Stella Leder und dem Institut für Neue Soziale Plastik ins Gespräch zu kommen: https://neue-soziale-plastik.de/de/aktuelles/2026-08-21-die-luege-in-der-wahrheit-suchen-antisemitismus-in-den-kuensten/


Stella Leder, Institut für Neue Soziale Plastik (Hrsg.): 
Antisemitismus in den Künsten: Eine Einführung. Hentrich & Hentrich Verlag Berlin Leipzig
1. Auflage 2026, 318 Seiten
ISBN 978-3-95565-788-8

Weitere Informationen zum Buch, Leseprobe und Coverabbildungg unter: https://www.hentrichhentrich.de/de/programm/produkt/antisemitismus_in_den_kuensten

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