10. September 2026
Wider die Ausgrenzung jüdischer Kultur
Die Reihe „Jüdische Stimmen“ am Hans Otto Theater Potsdam erkundet die Vielfalt jüdischer Identitäten in der internationalen Literatur nach der Schoa.
In ihrer gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Jüdische Stimmen“ stellen das Institut für Neue Soziale Plastik und das Hans Otto Theater Potsdam die Vielfalt und Komplexität des literarischen Schreibens jüdischer Autor:innen in den Mittelpunkt. Neben deutschsprachigen Schriftsteller:innen wie Barbara Honigmann, Jurek Becker oder Anna Schapiro werden auch Werke von Autor:innen französischer, jiddischer und hebräischer Sprache gelesen und diskutiert.
In Zeiten zunehmender Anfeindung und Ausgrenzung jüdischen Lebens sowie israelischer und jüdischer Künstler:innen nach dem 7. Oktober 2023 möchten das Neue Soziale Plastik und das Hans Otto Theater Potsdam jüdischer Identität und Kultur eine Stimme und Öffentlichkeit verleihen.
Zeitgenössische Autor:innen werden im Rahmen von „Jüdische Stimmen“ ihre Werke vorstellen, Ensemblemitglieder lesen zudem deutschsprachige und übersetzte literarische Texte. Im Anschluss an die Lesungen ist das Publikum eingeladen, mit Autor:innen und Schauspieler:innen ins Gespräch zu kommen.
Das Institut für Neue Soziale Plastik und das Hans Otto Theater Potsdam haben in den zurückliegenden Jahren zweimal beim Mini-Festival „Jüdische Ossis“ kooperiert.
PROGRAMM
Jüdische Stimmen Zerrissen und zusammen. Literarische Familienbilder
Termin: 24. September 2026, 19:30 Uhr Ort: Hans Otto Theater, Reithalle Box, Schiffbauergasse 16, 14467 Potsdam
In der jüdischen Literatur ist das Familienmotiv ein zentrales, vielschichtiges Element. Es dient als Schnittstelle, um das Trauma der Shoah zu verarbeiten, von den nicht mehr Anwesenden zu sprechen, Traditionen weiterzugeben, Generationenkonflikte und die Spannungsfelder jüdischer Identitäten zu verhandeln. Anknüpfend an das Mini-Festival „Jüdische Ossis“ startet diese Reihe mit Familientexten jüdischer Autor:innen, die in der DDR gelebt und geschrieben haben: Welche Väter begegnen uns in den Texten von Wolf Biermann, Jurek Becker und Barbara Honigmann?
Zerstreuung, Zugehörigkeit und Suche nach Abwesenden spielen auch in der jüdischen Gegenwartsliteratur eine große Rolle, werden von einer neuen Generation junger Schreibender verhandelt. Zu Gast wird deshalb Anna Schapiro sein, deren Familienroman „Fühlen Sie sich wie zu Hause, aber vergessen Sie dabei nicht, dass Sie zu Gast sind“ kürzlich erschienen ist.
Im Anschluss an die Lesung wird es ein Publikumsgespräch geben. Künstlerische Leitung: Bettina Jahnke, Stella Leder, Eva Marburg, Emma Charlott Ulrich Mit: Jan Hallmann, Janine Kreß, Arne Lenk, Ronni Rath, Katja Zinsmeister, Rita Herzog (Klavier)
VORSCHAU
Jüdische Stimmen II Literarische Erinnerung an die Shoah und die Wiederkehr des Traumas
Termin: 19. November 2026, 19:30 Uhr Ort: Hans Otto Theater, Reithalle Box, Schiffbauergasse 16, 14467 Potsdam
Die Dichterin Nelly Sachs schrieb bereits 1951 einen der eindrücklichsten Theatertexte über die traumatisierenden Verlusterfahrungen der Shoah: „Eli. Ein Mysterienspiel vom Leiden Israels“. Bis heute ist der Text kaum rezipiert worden, obwohl Nelly Sachs 1966 für ihre Werke den Nobelpreis erhielt.
Wir geben diesem literarischen Zeugnis mit einer szenischen Lesung Raum und schlagen im Nachgespräch eine Verbindung in die Gegenwart. Welche Bedeutung hat Literatur im Gedenken an die Toten der Shoah? Welche Worte, welches Schreiben braucht es angesichts wachsenden Antisemitismus weltweit heute?
Künstlerische Leitung: Bettina Jahnke, Stella Leder, Eva Marburg, Emma Charlott Ulrich
Mit Rita Herzog (Klavier)
Weitere InformationenIn Kooperation mit dem Hans Otto Theater Potsdam
Gefördert durch das Bundesministerium des Innern aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
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