Interviews mit jüdischen Ostdeutschen und Zeitzeug:innen der Sowjetunion
Das Leben von Jüdinnen:Juden in der DDR war bis vor kurzem ein wenig beleuchteter Aspekt ostdeutscher Geschichte. Im Rahmen des Projekts jüdischer kulturklub ostberlin des Instituts für Neue Soziale Plastik wurden seit 2023 Zeitzeug:innen mit jüdischer Familiengeschichte nach ihren Erfahrungen und ihrer Sozialisation befragt, nach Erinnerungspolitik und Antisemitismus in der DDR, nach den Möglichkeiten jüdischen Alltags und dem Spannungsfeld zwischen Sozialismus und Judentum.
Bis Sommer 2025 wurden insgesamt 12 Interviews geführt, bisher liegt knapp die Hälfte in jeweils halbstündiger Schnittfassung vor.
2026 kamen im Rahmen von „Jüdische Ossis IV“ fünf Gespräche mit Zeitzeug:innen aus dem (post-)sowjetischen Raum dazu. Ausgehend vom Bild der „Moskauer Küche“ als Ort der Freiheit in einem repressiven System erzählen sie von Freiräumen und Repression, solidarischen Netzwerken und Immigration. Und von „Mischka“, einer jüdischen Kommunistin, die 20 Jahre Gulag und Verbannung überlebt hatte und ihre Küche in Moskau zu einem Treffpunkt kritischer Intellektueller machte. Sie ist eine verbindende Figur in den meisten der Gespräche.
INTERVIEWFÜHRUNG FILMISCHE INTERVIEWS: DR. BETTINA LEDER KAMERA, SCHNITT: TOBIAS JALL
INTERVIEWFÜHRUNG AUDIOINTERVIEWS: CHRISTINA KETTERING
Übersicht der Videointerviews
Ellen Händler
Im Interview erzählt sie vom schwierigen Überleben ihrer Eltern in Großbritannien, den engen Beziehungen in der Familie und der Widersprüchlichkeit des Lebens in der DDR.
Weitere Infos zu Ellen Händler
Ellen Händler wurde 1948 in Ost-Berlin geboren. Ihre Mutter Hella war gemeinsam mit ihrer Schwester nach der Pogromnacht mit einem Kindertransport nach Großbritannien geflohen und hatte dort ihren späteren Mann Werner kennen gelernt. Als Ehepaar kehrten beide nach Berlin zurück, weil sie sich sagten: »Die Nazis dürfen es nicht geschafft haben, dass Deutschland ›judenfrei‹ ist.«
In der Familie wurde immer offen über die Vergangenheit gesprochen: Ellen Händler wusste schon als Kind, dass fast alle ihrer Verwandten als Juden ermordet worden waren. Ihre Eltern waren nicht religiös, sprachen aber mit den beiden Töchtern über jüdische Traditionen. Gemeinsam mit ihrem Vater besuchte Ellen Händler als 14-Jährige Auschwitz und suchte dort nach Unterlagen über dessen Eltern. In den späten 1980er Jahren begleitete sie ihren Vater und ihre Mutter häufig zu Veranstaltungen des Jüdischen Kulturvereins. Die Beziehungen der Familienmitglieder waren und sind sehr eng. Ellen Händler ist Mutter zweier Kinder und hat vier Enkelkinder.
Nach der Schule studierte sie Soziologie und wurde promoviert, anschließend arbeitete sie im Amt für Jugendfragen und war Fachreferentin für Bildung im Sekretariat des Ministerrates der DDR. Nach der Wende gehörte sie zu den Wenigen, die nicht arbeitslos wurden. Sie war die erste freigewählte Personalrätin der Außenstelle des Kanzleramts und später Pressesprecherin einer Bundesbehörde. Ihre Abschlüsse wurden zwar anerkannt und sie konnte die Arbeit einer Beamtin des höheren Dienstes verrichten, wurde aber nur als Sachbearbeiterin eingruppiert.
Gemeinsam mit UtaMitsching-Viertel schrieb sie die Bücher „Unerhörte Ostfrauen (2019), »ProblemZone Ostmann?« (2021) »Die DDR ist nachhal(l)tig« (2024).
Seit 1998 ist sie Vorsitzende des Bundes der Antifaschisten in Treptow. Wie viele andere jüdische DDR-Bürger:innen versteht sie ihr Judentum als kulturelle Zugehörigkeit und als Auftrag, sich für die Erinnerung und den Antifaschismus zu engagieren.
Eva Nickel
Sie lebt heute wieder im Prenzlauer Berg im Haus ihrer Kindheit, in dem sie auch aufgewachsen ist. Eva Nickel bietet unter anderem Führungen durch das jüdische Berlin an und besucht Schulen, um mit Kindern über die NS-Zeit zu sprechen.
Weitere Infos zu Eva Nickel
Eva Nickel wurde 1948 im Jüdischen Krankenhaus im Wedding im französischen Sektor Berlins geboren und wuchs im Ostteil der Stadt auf.
Evas Mutter hatte die NS-Zeit als einzige ihrer Familie überlebt; ihre kleinen Töchter Ruth und Gitti waren in Auschwitz ermordet worden. Sie selbst war von Bekannten versteckt worden und hatte so überlebt. Einige Jahre nach dem Krieg heiratete sie den Sohn einer ihrer Retterinnen – Eva Nickels Vater.
Eva wurde von ihrem (nichtjüdischen) Vater als bewusste Jüdin erzogen. Er begriff ihre Geburt, vier Jahre nach der Ermordung ihrer Halbschwestern und der Schoah, als politischen Auftrag. Von Beginn an lernte sie jüdisches Leben kennen und wuchs als Teil der Jüdischen Gemeinde auf.
Nach dem Schulabschluss lernte sie in den Kostümwerkstätten des Fernsehfunks der DDR zunächst Gewandschneiderei und studierte danach Ökonomiepädagogik. Über 20 Jahre war sie in der Berufsausbildung für kaufmännische und schreibtechnische Lehrlinge tätig. Neben ihrer beruflichen Arbeit baute sie in den 1970er und 1980er Jahren in der Ostberliner Jüdischen Gemeinde ehrenamtlich eine Kindergruppe auf, die sie dann auch leitete.
Nach der Wende und dem Verlust ihrer Arbeitsstelle begann sie, als Sozialarbeiterin in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin zu arbeiten. Sie qualifizierte sie sich zur Sozialarbeiterin und betreute viele der NS-Verfolgten, die sie oft schon seit ihrer Kindheit kannte.
Auch als Rentnerin begleitet Eva Nickel einige ihrer alten Klienten weiter und ist deren Stütze geblieben. Seit 2023 arbeitet sie ehrenamtlich bei der ZWST zur Antisemitismusprävention in Seminaren und Schulungen. Hierzu berät sie auch Theatergruppen, die Aufführungen zu diesem Thema für Schulen und Jugendgruppen vorbereiten.
Leah Carola Czollek
Leah Carola Czollek erzählt von der Beziehung zu ihrem Vater und wie sie zu einer Kämpferin erzogen wurde. Sie spricht vom Gefühl, auf einem Friedhof aufgewachsen zu sein. Sie spricht über Antisemitismus in der DDR und Privilegien, über die Entwicklung jüdischen Lebens in den 1980er Jahren und die Möglichkeit, Jüdischsein als etwas Lebendiges zu erfahren. Wie ihre Erfahrungen in der DDR und ihr jüdischer Hintergrund ihre politische Arbeit beeinflussen, über institutionalisiertes und instrumentalisiertes Gedenken in Ost und West und ihre Einsamkeit nach dem 7. Oktober 2023.
Weitere Infos zu Leah Carola Czollek
Leah Carola Czollek wurde 1954 in Berlin (Ost) geboren. An der Humboldt-Universität zu Berlin studierte Leah Carola Czollek Rechtswissenschaft. 1989, nach fünfjährigem Versuch, gelang ihr die Ausreise in die BRD, da aber ihr Abschluss nicht anerkannt wurde, konnte sie ihren Beruf nicht ausüben. Sie absolvierte ein zusätzliches Studium der Sozialpädagogik an der Fachhochschule Potsdam und war seit 1994 in der Erwachsenenbildung aktiv und ist Buchautorin. 2005 gründete sie das Institut »Social Justice and Radical Diversity« gemeinsam mit Gudrun Perko, dessen Leiterin sie nach wie vor ist.
Ihr Vater Walter Czollek – ein jüdischer Kommunist – hatte mehrere Konzentrationslager überlebt, bevor er aus Deutschland ausgewiesen wurde. In Shanghai wurde er Leiter der KPD in China. Er kehrte 1947 nach Berlin zurück. Später wurde er Leiter des Verlags Volk und Welt. Dort lernte er Leah Carola Czolleks Mutter, Dr. Roswitha Czollek, geborene Kaminski, kennen, die zu jener Zeit als Lektorin im Verlag und später als Wissenschaftlerin in der Akademie der Wissenschaften (DDR) arbeitete.
André Herzberg
André Herzberg erzählt von dieser Zerrissenheit, von familiären Traumata und Unausgesprochenem. Von fehlenden Kippot und improvisiertem jüdischen Leben, von der berührenden Stimme Estrongo Nachamas und der eigenen Suche nach Glück. Der Rockmusik als Gegenmodell zum erstarrten Sozialismus und der Trauer der jüdischen Erinnerung. Und von der Suche und dem schließlichen Ankommen in einer eigenen jüdischen Identität.
Weitere Infos zu André Herzberg
André Herzberg wurde 1955 in Berlin (Ost) geboren. Seine Mutter, Ursula Herzberg, war Staatsanwältin in der DDR, sein Vater Hans Journalist. Sie lernten sich im britischen Exil kennen, wohin sie vor den Nationalsozialisten geflohen waren. 1947 kehrten sie nach Berlin zurück, zuerst nach Westberlin, dann in die Sowjetische Besatzungszone.
André Herzberg studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler und wurde 1981 Frontmann der Band »Pankow«, einer der erfolgreichsten Rockbands der DDR. Mit seinen Texten und Bühnenauftritten geriet er immer wieder in Konflikt mit dem Staat, so dass Übertragungen abgebrochen wurden und Alben erst verzögert erscheinen konnten. 1988 spielte er mit der Band ein Konzert, um Spendengelder für den Wiederaufbau der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße zu sammeln.
Nach der Wende war André Herzberg weiterhin als Solo-Musiker erfolgreich und begann zu schreiben.
Herzberg wuchs hauptsächlich mit seiner Mutter auf, da sich die Eltern früh scheiden ließen. Ursula Herzberg war, wie auch der Vater, streng kommunistisch, trotzdem ging sie regelmäßig mit ihrem Sohn in die Synagoge Rykestraße und versuchte auch darüber hinaus, ein Bewusstsein für seine jüdische Herkunft zu vermitteln. Dabei gerieten ihr kommunistisches Weltbild und ihre jüdische Erfahrung immer wieder in Konflikt.
Sandra Anusiewicz-Baer
Im Interview erzählt sie vom einzigen jüdischen Ferienlager der DDR, ihrer Auseinandersetzung mit dem Judentum und der Umbruchszeit in Dresden nach dem Ende der DDR.
Weitere Infos zu Sandra Anusiewicz-Baer
Dr. Sandra Anusiewicz-Baer ist Erziehungswissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt auf jüdischer Pädagogik. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Fragen der jüdischen Identität, den Inhalten und Zielvorstellungen formeller wie informeller jüdischer Bildung und Erziehung sowie Sozialisationsprozessen in und durch jüdische Bildungseinrichtungen.
Sie wuchs in Dresden gemeinsam mit den Eltern ihres Vaters auf. Sie teilten sich ein großes Haus mit Garten. Ihre Großeltern hatten den Nationalsozialismus im Exil in Frankreich und Südamerika überlebt.
Bald nach dem Mauerfall ging sie in die Vereinigten Staaten für ein High School Jahr und lernte Verwandte ihres jüdischen Familienteils kennen. Mit der Wendezeit verbindet sie vor allem eine Aufbruchszeit, die trotz der wachsenden Bedrohung durch Neonazis, ihr verheißungsvoll erschien.
Als Kind verbrachte sie seit 1983 fast jedes Jahr im Jüdischen Ferienlager in Glowe, das einzige seiner Art in der DDR. Aufgrund eines Mangels an pädagogischen Materialien, Literatur, Wissen und ausgebildetem Personal mit jüdischer Praxis, war es eher ein Raum für Kinder mit ähnlichen Familienhintergründen als ein eindeutig jüdischer. Trotzdem prägten diese drei Wochen Ferienlager neben ihrer Erfahrung im Elternhaus ihre lebenslange Auseinandersetzung mit dem Judentum. Über das Jüdische Ferienlager hat sie gemeinsam mit Lara Dämmig das Buch “Jung und jüdisch in der DDR” herausgegeben, in dem Jüdinnen und Juden der 2. und 3. Generation darüber erzählen, wie sie in der DDR aufgewachsen sind.
Da sie aus einer gemischten Familie stammt, wollte sie noch in der DDR offiziell zum Judentum übertreten. Dazu kam es durch den Mauerfall nicht mehr. Nach einem einjährigen Studienaufenthalt in Israel holte sie diesen Übertritt nach. Das Judentum hat sie sich hart erarbeitet, sagt sie im Film.
Übersicht der Audiointerviews
Alla Blatow
Alla Blatow erzählt im Interview von nächtlichen geheimen Lesemarathons und den Wegen der Samisdat-Literatur in der Sowjetunion, von ihrer Ausreise nach Deutschland und solidarischen Netzwerken im Exil.
Die Stimme von Alla Blatow wurde auf ihren Wunsch von Nina Heithausen nachgesprochen.
Weitere Infos zu Alla Blatow
Alla Blatow wurde 1953 in St. Petersburg, Russland geboren (damals: Leningrad). 1969 nahm sie ein Klavierstudium an der Mussorgski-Musikakademie in St. Petersburg auf, anschließend am Rimski-Korsakow-Konversatorium. 1977 legte sie ihr Diplom als Konzertpianistin, Kammermusikerin, Liedbegleiterin und Klavierpädagogin ab. 1980 verließ Alla Blatow mit ihrer Familie die Sowjetunion und reiste über Wien in die Bundesrepublik Deutschland, wo sie über viele Jahre im Rheinland und im Ruhrgebiet lebte. Von 1985 bis 2000 war sie Dozentin für Klavier an der Folkwang Hochschule Essen-Duisburg. Anschließend leitete sie die Meisterklasse des Lew Kopelew Forums in Köln. Seit 2003 ist sie Dozentin und künstlerische Leiterin der Internationalen Anton Rubinstein Akademie für Klavier und Kammermusik, Düsseldorf. Sie gab zahlreiche Meisterklassen und Workshops für junge Musiker, auch außerhalb Europas, war Jurymitglied von Jugend musiziert und initiierte eigene Musikprojekte.
Zudem war sie Preisträgerin des Internationalen Kammermusikwettbewerbs in Paris.
Alla Blatow lebt heute in Berlin. Im Interview erzählt sie vom Aufwachsen in einer jüdischen Ärztefamilie in Leningrad, von Antisemitismus und der Musikakademie als freieren Ort. Sie beschreibt das Leben in der Kommunalka und schließlich der eigenen Wohnung, erzählt von nächtlichen geheimen Lesemarathons und den Wegen der Samisdat-Literatur sowie schließlich der Ausreise nach Deutschland und solidarischen Netzwerken im Exil.
Maria Klassen
Maria Klassen beschreibt im Interview ihre Zusammenarbeit mit Lew Kopelew in Köln und den Freundeskreis der Exilant:innen, zu dem auch Alla Blatow, Familie Birger und Mischka Slavutzkaja gehörte. Sie erzählt vom Aufwachsen in Karaganda, Kasachstan wohin ihre Eltern als sogenannte „Russlanddeutsche“ unter Stalin deportiert worden waren.
Weitere Infos zu Maria Klassen
Maria Klassen wurde 1958 in Karaganda/Kasachstan/ehem. UdSSR geboren und siedelte infolge der „Ostverträge“ unter Willy Brandt 1976 als Deutschstämmige in die Bundesrepublik Deutschland über. Sie ist diplomierte Ingenieurin für Film- und Fotowesen und war Freiberufliche Mitarbeiterin des WDR. 1989-1997 war sie Lew Kopelews Mitarbeiterin und Archivarin; von 2012-2024 Archivarin der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen. Sie ist Vorstands- und Beiratsmitglied des Lew Kopelew Forums (Köln).
Ihre Eltern wurden als sogenannte „Russlanddeutsche“ unter Stalin nach Kasachstan deportiert. Im Interview erzählt sie von den schwierigen Lebensbedingungen dort und der langersehnten Ausreise. Sie beschreibt ihre Zusammenarbeit mit Lew Kopelew in Köln und den Freundeskreis der Exilant:innen, zu dem auch Alla Blatow, Familie Birger und Mischka Slavutzkaja gehörte.
Maria Birger
Maria Birger erzählt vom Aufwachsen im Kreis kritischer Künstler:innen und Intellektuellen, von der Rolle der Frauen in der sowjetischen Dissidenz und der Möglichkeit von Kunst in autoritären Systemen.
Weitere Infos zu Maria Birger
Maria Birger, geboren 1983 in Moskau, ist die Tochter des Künstlers und Dissidenten Boris Birger und hat bei ihm zehn Jahre lang Kunst und Kunstgeschichte gelernt.
Nach dem Abitur studierte sie Geschichte, Slawistik und Pädagogik in Köln und promoviert zu den deutsch-sowjetischen Beziehungen im Kalten Krieg mit den Schwerpunkten Dissidenz in der Sowjetunion und politische Kultur in der Bundesrepublik.
Sie arbeitet als Referentin „Heinrich Böll - Leben und Werk“ in der Heinrich Böll Stiftung e.V (Berlin/Köln) und ist im Beirat des Lew Kopelew Forums e. V. (Köln) und im Vorstand der Marion Dönhoff Stiftung (Hamburg) tätig.
Im Interview erzählt sie von Leben und Werk ihres Vaters und seinem Atelier in Moskau, das ein Ort für „freie Menschen in einem unfreien Land“ war. 1990 verließ die Familie die Sowjetunion und siedelte mit Unterstützung von Heinrich Böll nach Deutschland über. Im Haus der Familie Böll kamen die Birgers anfangs unter. Maria Birger erzählt vom Aufwachsen im Kreis der Künstler:innen und Intellektuellen, von der Rolle der Frauen in der sowjetischen Dissidenz und der Möglichkeit von Kunst in autoritären Systemen.
Irina Scherbakowa
Irina Scherbakowa erzählt im Interview vom Jüdischsein in der Sowjetunion und dem Mythos der „Moskauer Küche“. Sie beschreibt die Bedeutung der GULAG-Erfahrungen in sowjetischen Familien, den Prozess der Aufarbeitung und die Instrumentalisierung von Geschichte im heutigen Russland.
Weitere Infos zu Irina Scherbakowa
Irina Scherbakowa wurde 1949 in Moskau geboren. Sie ist Germanistin, Übersetzerin und Historikerin. Sie begann Ende der 1970er Jahre Zeitzeugeninterviews mit Opfern des Stalinismus und ehemaligen GULAG-Häftlingen zu sammeln. Von 1999 bis 2022 leitete sie die Bildungsprogramme der Menschenrechtsorganisation Memorial in Moskau. Nach deren erzwungener Auflösung emigrierte sie 2022 nach Deutschland. Heute ist sie Vorstandsvorsitzende von Zukunft Memorial e. V. in Berlin.
Publikationen (auf Deutsch): Zerrissene Erinnerung (2010), Vaters Hände (2017), Erinnern ist Widerstand (2025), Der Schlüssel würde noch passen. Moskauer Erinnerungen(2025)
Auszeichnung: 2005 Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. 2022 Marion Dönhoff Preis, 2024 Ehrendoktor Univ-Bern
Im Gespräch erzählt sie vom Jüdischsein in der Sowjetunion und dem Mythos der „Moskauer Küche“. Sie beschreibt die Bedeutung der GULAG-Erfahrungen in sowjetischen Familien, den Prozess der Aufarbeitung und die Instrumentalisierung von Geschichte im heutigen Russland.
René Böll
René Böll erzählt von seinen Erfahrungen während der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 und den zahlreichen Gästen aus der Sowjetunion, die im Haus seiner Eltern unterkamen: u.a. Alexander Solschenizyn, Lew Kopelew und Mischka Slavutzkaja.
Weitere Infos zu René Böll
René Böll wurde 1948 in Köln geboren. Er studierte Malerei und Druckgraphik (speziell: Lithographie) in Köln und Wien. Ab ca, 1970 erste Arbeiten mit chinesischer und japanischer Tusche.
Seit 1971 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Museen, Kunsthallen, Goethe-Instituten und Galerien in Chile, China, Deutschland, Ecuador; Frankreich, Irland, Japan; den Niederlanden; Schweden; Schweiz; Tschechien und den USA; Werke in öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland u.a. Kunsthalle Beijing, Museum Ludwig Koblenz.
Neben seiner freien Tätigkeit als Maler war er Gründer und Verlagsleiter des Lamuv Verlags sowie Redakteur der sechsbändigen Ausgabe: Sämtliche Briefe von Vincent van Gogh.
Seit 1988 lebt er hauptberuflich als freier Maler und hält Symposien, Schulungen und Vorträge u.a. zu Chinesischer Tusche, Farben, Maltechnik vom Mittelalter bis heute.
Seit Oktober 2002 ist er Professor h.c. der chinesischen Kunsthochschule Beijing Nationality University und seit Februar 2019 Mitglied der Akademie für west-östlichen Dialog der Kulturen e.V. Er hält regelmäßig Seminare und ist Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen, Artikel und Kataloge.
Zusammen mit seinen Eltern war er 1968 in Prag und erlebte die Niederschlagung des „Prager Frühlings“ mit, mit seiner Kamera begleitete er die Ereignisse und berichtet davon im Interview. Außerdem erzählt er von den zahlreichen Gästen aus der Sowjetunion, die im Haus seiner Eltern unterkamen: von Alexander Solschenizyn, Lew Kopelew und Mischka Slavutzkaja.