OPEN CALL | Bewerbungsfrist: 8. November 2026
unFinished
art in process · berlin

Mit unFinished startet das Institut für Neue Soziale Plastik einen Open Call für jüdische, israelische und antisemitismuskritische Künstler:innen mit Bezug zu Berlin. Gesucht werden bereits begonnene künstlerische Arbeiten, die unter veränderten Bedingungen nicht abgeschlossen werden konnten oder neue Richtung genommen haben – und nun wieder aufgenommen, weiterentwickelt oder neu gedacht werden sollen.
Was bleibt, wenn Kunst nicht stattfinden kann?
Seit dem 7. Oktober 2023 haben sich die Bedingungen künstlerischer Arbeit in Berlin für viele jüdische, israelische und antisemitismuskritische Künstler:innen tiefgreifend verändert. Projekte wurden abgesagt, Kooperationen beendet, Förderungen blieben aus. Gleichzeitig haben gesellschaftliche und politische Entwicklungen, persönliche Erfahrungen und neue Lebensumstände künstlerische Perspektiven verändert.
Was wurde nicht weiterentwickelt? Was wurde nicht produziert? Was wurde nicht gezeigt? Und was könnte daraus noch entstehen?
unFinished nimmt diese Fragen zum Ausgangspunkt. Dabei geht es nicht darum, Absagen zu dokumentieren oder institutionelle Entscheidungen zu bewerten. Im Mittelpunkt stehen die künstlerischen Arbeiten, deren Entwicklung unterbrochen wurde oder die nicht realisiert werden konnten – und die Möglichkeiten, sie unter neuen Bedingungen weiterzuentwickeln.
Drei Perspektiven auf das Unvollendete
1. Veränderte Perspektiven – Kunst nach dem 7. Oktober
Was geschieht mit einer künstlerischen Arbeit, wenn sich die Bedingungen ihrer Entstehung verändern?
Der 7. Oktober 2023 und seine gesellschaftlichen und politischen Folgen haben künstlerische Perspektiven verschoben und neue Fragen aufgeworfen. Trauer, Unsicherheit, Antisemitismus und öffentliche Kontroversen können künstlerische Prozesse unmittelbar beeinflussen.
unFinished sucht Arbeiten, deren Entwicklung dadurch unterbrochen wurde, sich verändert hat oder eine neue Richtung genommen hat – unabhängig davon, ob sie den 7. Oktober, Israel oder Antisemitismus selbst thematisieren.
2. Fehlende Förderung – Kunst ohne Raum
Was passiert mit einer künstlerischen Idee, wenn die Voraussetzungen für ihre Umsetzung fehlen?
Abgesagte Ausstellungen, zurückgezogene Einladungen, ausbleibende Finanzierung oder beendete Kooperationen können dazu führen, dass künstlerische Arbeiten nicht weiterentwickelt oder realisiert werden.
unFinished möchte solchen Arbeiten neue Möglichkeiten eröffnen – ohne die Entscheidungen zu rekonstruieren oder zu bewerten, die zu ihrer Unterbrechung geführt haben.
3. Neue Kontexte – Israelische Künstler:innen in Berlin
Was verändert sich, wenn eine künstlerische Arbeit ihren Entstehungskontext verlässt?
Dieser Schwerpunkt richtet sich insbesondere an israelische Künstler:innen, die nach dem 7. Oktober 2023 und/oder infolge des Krieges nach Berlin gekommen sind.
Im Mittelpunkt stehen begonnene Arbeiten, die ursprünglich für andere Räume, Sprachen oder gesellschaftliche Kontexte entwickelt wurden und in Berlin übersetzt, angepasst oder neu gedacht werden können.
Unfertig ist kein Defizit
unFinished versteht das Unvollendete nicht als Mangel, sondern als offenen künstlerischen Zustand.
Eine Arbeit muss nicht dort weitermachen, wo sie unterbrochen wurde. Sie kann sich verändern, eine neue Form annehmen oder eine unerwartete Richtung einschlagen.
Im Mittelpunkt steht der künstlerische Prozess. Die öffentliche Präsentation kann deshalb neben weiterentwickelten Arbeiten auch Skizzen, Fragmente, Recherchen, Proben oder verworfene Ansätze sichtbar machen.
OPEN CALL – Jetzt bewerben
Your work isn’t finished. Neither is its story.
Du hast eine künstlerische Arbeit begonnen, die du nicht abschließen konntest? Ein Projekt, das nie realisiert oder gezeigt wurde? Eine Idee, die unter veränderten Bedingungen eine neue Form braucht?
Wir freuen uns auf Bewerbungen aus allen künstlerischen Disziplinen – darunter Bildende Kunst, Fotografie, Film, Performance, Installation, Musik, Literatur, Tanz, Theater, digitale Kunst und interdisziplinäre Praktiken.
Die Arbeiten müssen sich nicht unmittelbar mit Berlin, Israel, dem 7. Oktober oder Antisemitismus beschäftigen. Entscheidend ist ihr Zusammenhang mit mindestens einem der drei Projektschwerpunkte.
Das Projekt hat seinen Schwerpunkt in Berlin. Willkommen sind Bewerbungen von Künstler:innen, deren Arbeit, künstlerische Praxis oder persönliche Geschichte einen Bezug zur Stadt aufweist.
Was wir bieten
- Bedarfsorientierte Kostenübernahme zwischen 500 und maximal 5.000 Euro. Die Höhe richtet sich nach dem dokumentierten individuellen Arbeits- und Ressourcenbedarf des Vorhabens und wird auf Grundlage der Bewerbung festgelegt.
- Zugang zu vorhandenen Ressourcen und Infrastruktur des Instituts für Neue Soziale Plastik
- Künstlerische Begleitung, Feedback und kritischen Austausch
- Öffentliche Präsentation der weiterentwickelten Arbeiten, geplant für den 27. Mai 2027 in Berlin
Die Präsentation ist offen für unterschiedliche Formate – von Installationen und Performances über Screenings und Konzerte bis zu Lesungen, Gesprächen oder offenen Proben.
So bewirbst du dich
Bitte reiche eine PDF-Datei mit maximal acht Seiten ein, einschließlich Portfolio, CV und Projektbeschreibung.
Deine Bewerbung sollte folgende Fragen beantworten:
- Worum geht es in deiner Arbeit und wie weit ist sie entwickelt?
- Warum wurde ihre Entwicklung unterbrochen oder verändert?
- Was möchtest du im Rahmen von unFinished weiterentwickeln?
- Welche Arbeitsschritte, zeitlichen und finanziellen Ressourcen benötigst du?
- Sind weitere künstlerische oder produktionstechnische Mitwirkende erforderlich?
Auch Skizzen, Fragmente, Recherchen, Prototypen und andere Vorarbeiten sind ausdrücklich willkommen.
Auswahl
Die Auswahl erfolgt durch die Vorstandsmitglieder des Instituts für Neue Soziale Plastik. Entscheidend sind die künstlerische Qualität und Eigenständigkeit, das Entwicklungspotenzial der Arbeit sowie die Plausibilität und Realisierbarkeit des vorgeschlagenen Arbeitsplans.
Bewerbungsinformationen
Bewerbungsfrist: 8. November 2026 Sprache: Deutsch oder Englisch Kostenübernahme: 500–5.000 Euro, nach individuellem Bedarf Öffentliche Präsentation: Geplant für den 27. Mai 2027 in Berlin Format: Eine PDF-Datei, maximal acht Seiten einschließlich Portfolio und CV Dateiname: unFinished_Name
Bewerbung an: info[at]neue-soziale-plastik[.]org